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Wie schafft man es, benachteiligte Jugendliche zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Lebens- und Berufsplanung zu motivieren?

Bereits im März 2008 grübelten Mitarbeiter der mla ggmbh gemeinsam mit der Jugendhilfe Essen gGmbH und der Berufsbildungswerkstatt Mülheim gGmbH (bbwe) über dieser kniffligen Frage, der sich viele Träger der Berufsbildung stellen müssen; schließlich sind junge Leute mit Migrationshintergrund und erhöhtem Förderbedarf bei dem „sperrigen“ Thema Leben- und Berufsplanung nicht immer über etablierte Institutionen erreichbar. 

Im September 2010 starteten die Partner das Modellprojekt „Plan your life?!“, das künstlerische Arbeit und praktisch-handwerkliche Erfahrung in der Berufswelt auf neue Weise verknüpft.

Das Besondere: Insgesamt 80 Jugendliche in Mülheim und Essen arbeiteten zeitgleich in Berufsbildungswerkstätten, davon 40 bei der bbwe in Mülheim und 40 Jugendliche bei der Jugendhilfe Essen. Zwischen September 2010 und Januar 2011 setzen sie sich - an zwei Tagen pro Woche - mit ihrem Leben und der eigenen beruflichen Orientierung auseinander. Die Teilnehmenden sollten konkrete Schritte erarbeiten, die sie in der Berufsplanung gehen wollten. Es ging darum, nicht an ihren Schwächen anzusetzen, sondern die Stärken herauszuarbeiten und Selbstbewusstsein zu fördern. Teamer begleiteten die Jugendlichen bei der thematischen Auseinandersetzung und halfen dabei, diese in Songs, Theater-, Film- und Tanzszenen umzusetzen. Die Anlehnung an bekannte und beliebte Fernsehformate schaffte eine attraktive Lernumgebung und ermöglichte einen leichten Zugang zum Thema. 

Im November 2010 gab es ein „Projekt im Projekt“: Vier Wochen lang beschäftigten sich die Teilnehmenden vertieft mit der eigenen schulischen, familiären und beruflichen Situation, Werten sowie dem Thema „Respekt“. Die Ergebnisse in Bild und Ton fördern - als Bestandteile der Abschlusspräsentation – medienpraktische Fähigkeiten.

Die Ergebnisse wurden in zwei großen Multimedia-Shows zusammengeführt und Ende Januar 2011 als Projektabschluss in Mülheim und Essen vor Freunden, Familie und Öffentlichkeit präsentiert. Während die Jugendlichen im Alter von 18 bis 25 Jahren den Event vorbereiteten, bauten sie eigene Kulissen - und beschäftigten sich dabei mit Holz- und Malerarbeiten, Metall- und Elektroarbeiten sowie der Organisation des Events. Diese Verknüpfung von künstlerischer mit praktisch-handwerklicher Arbeit sollte den Teilnehmenden ein Ausprobieren in verschiedenen Arbeitsfeldern ermöglichen und so helfen, Interessen wie Fähigkeiten zu erkennen. Darüber hinaus lernten die Teilnehmenden die Arbeitsfelder von ehrenamtlichen Paten mit Migrationshintergrund kennen, die sich erfolgreich beruflich und gesellschaftlich integriert haben und somit als Vorbilder dienen.

Im August 2011 wurde das erfolgreiche Projekt in einer modifizierten Version als „Ausgang Zukunft“ mit 20 jugendlichen Strafgefangenen in der JVA Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) realisiert.